0201 1855-0

dispo@agkamed.de

Ruhrallee 175, 45136 Essen

Interview mit den Geschäftsführern: Potenziale richtig nutzen!

Viel Bewegung bei der AGKAMED GmbH:

Kaum ein Jahr ist es her, als Dr. Frank Obbelode weiterer Geschäftsführer der AGKAMED GmbH in Essen wurde. Bis dato hatte die Position allein Dr. Oliver Gründel inne. Seit wenigen Wochen ist das schon wieder Geschichte, denn neben Dr. Gründel hat nun der Pforzheimer Carsten Dürr als weiter Geschäftsführer Platz genommen.

Beide Geschäftsführer nahmen sich die Zeit, um über den Positionswechsel, ihre Zukunftsvisionen und Aussichten auf das Jahr 2021 sowie die Wünsche und Vorstellungen zur Weiterentwicklung zu sprechen.

Geschäftsführerwechsel

Herr Dr. Gründel, Sie waren knapp 4 Jahre einziger Geschäftsführer der AGKAMED GmbH. Warum gab es den Entschluss einen weiteren Geschäftsführer einzustellen?

Dr. Gründel: Im Jahr 2019 erkrankte ich an einem bösartigen Tumor. Durch diese Erkrankung war nicht klar, ob ich überhaupt noch irgendwann die Tätigkeit als Geschäftsführer bei der AGKAMED weiterführen könne. Aus dieser Situation heraus suchte der Aufsichtsrat einen weiteren Geschäftsführer, der die Geschäftsführung übernehmen sollte. Dieser wurde mit Dr. Obbelode letztlich sehr kurzfristig gefunden und eingestellt.

Momentan geht es mir wieder gut und seit Ende November bin ich auch in begrenztem Umfang wieder dabei.

Kaum ein Jahr war Herr Dr. Frank Obbelode als Geschäftsführer tätig. Warum trennte sich der Aufsichtsrat von Herrn Dr. Obbelode und entschied sich für Carsten Dürr?

Dr. Gründel: Es gab zwischen der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat Differenzen über die zukünftige Entwicklung der AGKAMED. Diese haben dazu geführt, dass man sich zu einer Veränderung entschied. Am Ende passte die Strategie zwischen den beiden Parteien nicht zusammen. Manchmal ist es dann eben besser, man geht getrennte Wege.

Dürr: Der Aufsichtsrat lernte mich während unserer Zusammenarbeit, für die leider nicht erfolgreiche Fusion mit der GDEKK, kennen. Ich kenne also die Interessenlage des Aufsichtsrats und der Aufsichtsrat kann meine Arbeitsweise einschätzen. Außerdem habe ich das Glück, dass ich schon den einen oder anderen Mitarbeiter aus der AGKAMED aus dieser Zeit kenne, sodass ich eine Vorstellung davon habe, auf was ich mich einlasse und worauf es jetzt ankommt. Dies ist ein enormer Vorteil, den ich durch diese Erfahrungen mitbringe.

Wie stellen Sie sich die gemeinsame Zusammenarbeit vor? Was erwarten Sie voneinander?

Dr. Gründel: Klar, in erste Linie wollen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Dann gilt es zurück auf die Spur zu kommen, denn durch einige Kündigungen wertvoller Mitgliedshäuser haben wir in den letzten Monaten unsere Spur verloren und dahin müssen wir dringend zurück. Wir wollen die Häuser zurückgewinnen und das können wir auch nur gemeinsam schaffen.

Dürr: Ich schätze Herrn Dr. Gründel sehr und erlebte ihn in der Vergangenheit als Visionär, unkompliziert und direkt, das finde ich gut. Wir ziehen an einem Strang und kennen unsere Stärken und Schwächen. Ich halte es für einen Vorteil, wenn diese Organisation zwei Geschäftsführer hat, denn die verschiedenen Anforderungen sind von einer Person nur schwer abzudecken.

Herr Dürr, Sie waren 18 Jahre für die Sana in Bad Wildbad tätig, haben dort u.a. zwei Krankenhäuser fusioniert, das neurologische Rehabilitationszentrum Quellenhof aufgebaut, das heute als Spezialklinik für MS-Erkrankte bundesweit einen Namen hat, und waren am Ende als Geschäftsführer für die SLK Kliniken Heilbronn, dort u.a. als Geschäftsführer in der Lungenklinik Löwenstein, tätig. Sie bringen also ein Branchen-Know-How mit, welches von Vorteil ist. Was hat Sie gereizt, die Führung einer medizinischen Einkaufsgemeinschaft zu übernehmen?

Dürr: Ich kenne den Markt der Krankenhäuser und der Einkaufsgemeinschaften seit über 20 Jahren. Nach meinem Eindruck hat die AGKAMED erhebliches Potenzial, sowohl bei der Zusammenarbeit mit den Mitgliedseinrichtungen und beim Geschäftsmodell als auch in der IT und nicht zuletzt bei unseren Mitarbeitern. Wir müssen nur lernen, diese Qualitäten besser zu nutzen. Dass wir das Vertrauen bei einigen Mitgliedern etwas verloren haben, spiegeln uns diese und die Industrie wider. Hier gilt es, sehr schnell zu reagieren und zu agieren, d.h. genau hinzuhören, geäußerte Kritik oder Erwartungen ernst zu nehmen, auf diese einzugehen und zukünftig verlässlich zu agieren. Das habe ich mir persönlich vorgenommen und dafür stehe ich. Ich bin auch sehr zuversichtlich, dass uns dies in den nächsten Wochen und Monaten gelingen wird. Genau deshalb bin ich hier: Ich möchte, dass wir unsere Potenziale richtig nutzen!

Vergangenheit/ Gegenwart/ Zukunft

Herr Dürr, die AGKAMED hat in den letzten Monaten für viel Unruhe auf dem Markt und auch für Unzufriedenheit bei den Partnern gesorgt. Mit welcher Strategie wollen Sie diese Situation wieder ausgleichen?

Dürr: Wie schon gesagt, wir werden nah an unseren Kunden sein. Das heißt, wir wollen in einen Dialog mit unseren Kunden treten, damit am Ende beide Seiten gewinnen und zufrieden sind. Für unsere Mitglieder bedeutet das, dass wir ihnen zuhören und auf ihre Bedürfnisse eingehen werden. Zudem ist es uns wichtig, dass unsere Kunden uns als einen verlässlichen Partner erleben. Das war, nachdem was ich höre, in der Vergangenheit nicht immer der Fall.

Was lief denn eigentlich in der Vergangenheit gut?

Dürr: Die AGKAMED ist seit über 20 Jahren am Markt und hat sich in dieser Zeit einen guten Namen gemacht. Nicht zuletzt dadurch, dass sie die Anwender und Einkäufer in den Einkaufs- und Produktauswahlprozess eingebunden hat. In den letzten zwei Jahre hat der Fusionsprozess zugegebenermaßen viele Ressourcen gebunden und auch Erwartungen geweckt, die am Ende nicht erfüllt wurden. Mit einer Strategie ggf. auch allein weiterzumachen, hat man sich in dieser Zeit zu wenig auseinandergesetzt. Diese Neuausrichtung und der eingeleitete interne Veränderungsprozess wurde von Herr Dr. Obbelode in seiner kurzen Zeit bereits eingeleitet.

Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken könnten… Wie stellen Sie sich die AGKAMED vor?

Dr. Gründel: Die AGAKMED GmbH wird sich zu einem Consulting-Unternehmen entwickeln, in dem IT-Dienstleistungen eine entscheidende Rolle im Einkauf spielen werden. In diese Richtung wird sich auch der Einkauf entwickeln.

Die aktuelle COVID-19 Pandemie zeigt, dass digitale Dienstleistungen immer wichtiger werden. Was heißt das genau für uns: Zukünftig werden sehr wahrscheinlich auch Kundengespräche, wie zum Beispiel Verhandlungen nicht mehr Face-to-Face stattfinden. Diesen Schritt in die digitale Welt werden wir gehen und müssen wir auch gehen, denn nur so können wir wettbewerbsfähig bleiben.

Dürrr: Als erstes werden wir – wie schon angekündigt – auf unsere Mitglieder zugehen und einen offenen Dialog führen. Zudem werden wir das ein oder andere interne Defizit zügig beseitigen.

Wenn es uns dann noch gelingt, die Vorteile unseres Geschäftsmodells besser zu platzieren und unsere IT-Kompetenz zusammen mit den Mitgliedern in spürbare und messbare Vorteile umzusetzen, sollte es uns gelingen, überdurchschnittliche Wachstumsraten zu realisieren.

Nach meinem Eindruck ist der Markt für eine Einkaufsgemeinschaft, die von öffentlichen und freigemeinnützigen Einrichtungen getragen wird und deshalb auch an deren wirtschaftlichem Erfolg partizipieren, bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Dieses Geschäftsmodel erscheint mir für die Mitgliedseinrichtungen wesentlich attraktiver als das von rein privaten Einkaufsgemeinschaften. Nur ist es uns bisher nicht ausreichend gelungen, diese Vorteile zu vermitteln.

Dies möchte und werde ich ändern. Außerdem wissen wir, dass bei der AGKAMED sehr qualifizierte Mitarbeiter arbeiten, die auch für das stehen, was sie tun. Wir haben das Knowhow und müssen dieses nun einsetzen, um so eine der führenden Einkaufsgemeinschaften in Deutschland zu werden.

Ausblick 2021 / Corona

Das Jahr 2021 steht vor der Tür. Welche Aussichten und Zukunftsvisionen haben Sie?

Dr. Gründel: Die Corona-Pandemie wird uns eventuell sogar bis 2022 begleiten. Auch der Lockdown wird sicherlich im Januar nicht beendet sein. Das heißt, wir müssen unsere ganze Arbeitsweise langfristig umstellen.

Das ist für uns eine Chance, die sich aus dieser unschönen Situation ergibt, da wir die Mittel zur digitalen Neuaufstellung haben. Nur müssen wir diese Mittel auch gezielt nutzen. Es ist so, dass die Marktteilnehmer immer mehr auf die Angebote im Netz zugreifen und wir müssen dafür sorgen, dass wir darauf reagieren können.

Wir sind im Gesundheitswesen unterwegs, wir können während der Pandemie unterstützen und helfen! Gerade im Beschaffungsprozess.

Welche Herausforderungen sehen Sie im Jahr 2021 im Hinblick auf die Corona-Pandemie?

Dr. Gründel: Wichtig ist, dass wir für unsere Mitgliedshäuser die Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Da gibt es zwei Ansätze: Wir werden sicherlich mit eigenen Mitteln daran arbeiten, aber wir müssen dabei auch partnerschaftlich mit großen Firmen zusammenarbeiten, um eine Allianz bilden zu können. Das Ziel muss es sein, unsere Mitgliedshäuser bestmöglich zu unterstützen!

Vielen Dank für das Gespräch! Bitte bleiben Sie gesund.

Die GEschäftsführer Dr. Oliver Gründel und Carsten Dürr